Ortsheimatpflege

Eisenbahn in und um Duttenstedt

1. Der Fernbahnanschluss in Peine

Am 1. Dezember 1843 wurde der Teilabschnitt Lehrte-Peine der Strecke Hannover Braunschweig eröffnet. Bereits am 19. Mai des Jahres war der Abschnitt von Hannover nach Lehrte in Betrieb genommen worden. Genau ein Jahr später, am 19. Mai 1844 wurde die Gesamtstrecke Hannover-Braunschweig dem Verkehr übergeben.


Mit Peine gab es nun einen Bahnhof in unmittelbarer Nähe zu Duttenstedt, er lag aber im Königreich Hannover. Der nächste Bahnhof auf Braunschweiger Gebiet war Vechelde. Peine erhielt bereits 1874 ein neues Bahnhofsgebäude, das jedoch ein von den Peinern ungeliebtes Provisorium darstellte. Es wurde erst 1959/60 von der Deutschen Bundesbahn durch einen Neubau ersetzt.


Zeitlose Szene am Peiner Bahnhof vermutlich in den 1930er Jahren auf einer Karte des Verlages von Carl Rother, Peine


Am 25.05.1977 wurde der elektrische Betrieb zwischen Hannover und Braunschweig aufgenommen. Ab 1979 war Peine planmäßig Intercity-Halt. Seit 1994 hielten die Interregio-Züge der Relation Berlin-Braunschweig-Hengelo-Amsterdam in Peine. Zum 15. Dezember 2002 wurde die Zuggattung Interregio weitgehend abgeschafft und die Züge namentlich zu Intercities umgetauft. (Anmerkung: Eigentlich wurden die Intercities qualitativ herabgestuft). 2008 halten in Peine nur noch einzelne Intercity-Züge in der Frühund Spätlage.


1995 wird das Empfangsgebäude angebrochen. Das neue Gebäude wird nicht von der Deutschen Bahn, sondern von der Stadt Peine errichtet und am 29.08.1996 eingeweiht.


Bahnhof Peine in einer historischen Ansichtskarte


 

2. Kleinbahnprojekte

Im Jahr 1896 begannen Planungen zum Bau einer schmalspurigen Kleinbahn von Meine nach Peine. Die entsprechende Baugenehmigung wurde am 30.01.1897 von der Braunschweigischen Staatsregierung erteilt.


Ab 1898 wurde dann eine normalspurige Eisenbahn von Peine über Meine nach Fallersleben geplant. Der Bau wurde erst 1910 genehmigt. Ein Bahnhof war in Meerdorf, nicht aber in Duttenstedt vorgesehen. Wegen des Ausbruchs des ersten Weltkrieges wurde der Bahnbau gestoppt und nach dem Krieg wegen Geldmangel nicht wieder begonnen.


Auszug aus der Projektierung einer Eisenbahnstrecke Fallersleben-Meine-Peine (Quelle: Staatsarchiv Wolfenbüttel 12 NEU 3123)


Im Jahr 1914 wurde zusätzlich mit der Planung einer eingleisigen Kleinbahn von Isenbüttel-Gifhorn nach Peine begonnen. Sie sollte zur Ausführung kommen, falls die Herstellung der Eisenbahn von Fallersleben nach Peine zu teuer geworden wäre. Für diese Strecke waren Bahnhöfe in Meerdorf, Duttenstedt und Stederdorf vorgesehen. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges waren einige Vermessungsarbeiten vorgenommen wurden. Zu weiteren Arbeiten ist es dann nicht mehr gekommen.


Auszug aus der Projektierung eine Eisenbahnstrecke Isenbüttel-Gifhorn – Peine (Quelle: Kreisarchiv Gifhorn Bau Nr. 1)


Nach dem ersten Weltkrieg wurde schließlich am 04. Oktober 1922 die Eisenbahn von Peine nach Plockhorst in Betrieb genommen. Neben Peine an der Hauptstrecke Hannover-Braunschweig wurden so Stederdorf und Edemissen die nächsten Bahnhöfe für Duttenstedt. Auf dieser Strecke wurde der Personenverkehr am 01. Juni 1958 eingestellt. In den 1970er Jahren wurde die Bahn zwischen Stederdorf und Plockhorst stillgelegt. Seit dem 03. März 2003 ist auch der restliche Abschnitt stillgelegt. Im Jahr 2008 beginnen Maßnahmen auf einem Teilgebiet im Stadtgebiet Peine einen Radweg auf der Trasse zu errichten.


Eisenbahnnetz im Braunschweiger Raum ca. 1970 (Quelle: Jansen)


 

3. Feldbahn

Eine Eisenbahn wurde auf Duttenstedter Gebiet aber dennoch verwirklicht. Beim Bau des Mittellandkanals in den 20er Jahren kamen im Woltorfer Bereich Eimerkettenbagger zum Einsatz. (1929 wurde der Hafen Peine an den von Westen nach Osten gebauten Kanal angeschlossen, 1933 der Hafen Braunschweig). Der Abraum wurde mit Feldbahnen auf die in der Duttenstedter Feldmark liegende Kippe gefahren. Nach Abschluß der Arbeiten wurde die Kippe an Duttenstedter Landwirte verkauft. Die Kippe ist noch heute als markante Erhebung gut erkennbar.


Einsatz von Eimerkettenbagger und Feldbahnen beim Bau des Mittelandkanals bei Woltorf (Ansichtskarte mit Woltorfer Motiven der 1920er Jahre)


 

Literatur


  • Busse/Kieselbach/Nebelung: Die Schuntertalbahn und die Bahn im Hasenwinkel–Projektierte Bahnen im Landkreis Gifhorn, Schriftenreihe des Kreisarchives Gifhorn, Nr. 18, Gifhorn 2000

  • Adolf Cordes: 160 Jahre im Peiner Raum, Schrift des Bahn-Sozialwerkes, Ortsstelle Peine, 2005

  • Hein/Pillot/Richter/Sander: Dörfer unter Dampf, Betrachtungen zur 150-jährigen Geschichte der Eisenbahnstrecke Braunschweig-Hannover im Vechelder Raum 1844-1994, Selbstverlag, 1994

  • Jörg Jansen: Die Entwicklung des öffentlichen Verkehrsnetzes im Raum Braunschweig, Dissertation an der TU Braunschweig, 1970

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Plockhorst-Peine



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Detlef Haßelmann